• Susan Tomes: Frauen am Klavier. Fünfzig Pianistinnen und ihre Geschichte. [Friedegard Hürter]

    Susan Tomes: Frauen am Klavier. Fünfzig Pianistinnen und ihre Geschichte. Von Clara Schumann bis Nina Simone. Übersetzt von Sven Koch. – Berlin: Elisabeth Sandmann Verlag, 2026. – 224 S.: Farb- und s/w-Abb.
    ISBN 978-3-949582-48-6: € 26,00 (geb.)

    Frauen am Klavier hat die englische Pianistin, Kammermusikerin und Autorin Susan Tomes ihr aktuelles Buch genannt. Die Thematik hängt unmittelbar mit ihrer eigenen Lebensgeschichte zusammen, wie sie in einer persönlichen Einleitung beschreibt. Anfang der 1970er-Jahre gehörte sie zu den ersten Frauen, die ein Musikstudium am renommierten King’s College in London aufnehmen durften. Und so waren es vor allem Männer, die ihren musikalischen Weg zur Konzertpianistin prägten, ob als Komponisten oder Tastenvirtuosen. Wo aber stieß man auf die Musik von Frauen, von Komponistinnen, die vielfach hervorragend Klavier spielten?

    Tomes begann, bis ins 18. Jahrhundert zurück zu recherchieren. Was sie entdeckte, waren spannende Lebensbeschreibungen von Pianistinnen, die in ihrer Zeit nicht nur Beeindruckendes geleistet haben, sondern durchaus als Pionierinnen gelten können. „Manchmal leisteten sie Pionierarbeit für ihr Geschlecht, manchmal für den gesamten Berufsstand“, wie Tomes anmerkt (S. 8). Schon hier ist die Neugierde geweckt, zumal die Autorin nicht nur sachkundig und engagiert, sondern ebenso unterhaltsam und anschaulich erzählt.

    Fünfzig kurze Lebensgeschichten aus drei Jahrhunderten hat die renommierte Musikerin ausgewählt, die Mitte des 18. Jahrhunderts, als das Klavier vollständig entwickelt war, beginnen und bis ins Hier und Jetzt reichen: von frühen Pionierinnen wie Maria Theresia Paradis (1759–1824) oder Hélène de Montgeroult (1764–1836) über Ikonen wie Fanny Hensel (1805–1847), Clara Schumann (1819–1896) und Amy Beach (1867–1944) bis hin zu Jazzpianistinnen wie Nina Simone (1933–2003) oder Mary Lou Williams (1910–1981) bis zur zeitgenössischen chinesischen Pianistin Zhu Xiao-Mei (*1949).

    Am stärksten vertreten sind Pianistinnen des 20. Jahrhunderts. Hier tauchen bekannte Namen wie der der ungarisch-jüdischen Klaviervirtuosin Annie Fischer (1914–1995) auf, die mit zehn Jahren Beethovens 1. Klavierkonzert aufführte und von Kollegen wie Swjatoslaw Richter und Maurizio Pollini bewundert wurde; oder der von Alicia de Larrocha (1923–2009), die die Klaviermusik der Spanier beziehungsweise Katalanen Enrique Granados, Isaac Albéniz und Manuel de Falla bekannt machte und der eine Weltkarriere gelang. Daneben finden sich aber auch so viele kaum bekannte Künstlerinnen, dass eine spannende Entdeckungsreise auf die Leserinnen und Leser wartet: etwa Margaret Bonds (1913–1972) aus Chicago, die als erste schwarze Solistin mit dem Chicago Symphony Orchestra konzertierte, deren Kompositionen sich an afroamerikanischen Spirituals orientierten, und die eine musikalische Gesellschaft zur Aufführung klassischer Musik von schwarzen Komponistinnen und Komponisten gründete. Oder die Polin Maria Szymanowska (1789–1831), die 1822 in St. Petersburg eine bezahlte Anstellung als „Erste Hofpianistin der königlichen Majestät“ bekam und „mit ihrem auswendigen Klavierspiel viel Aufmerksamkeit erregte, weil das noch eine Seltenheit war“ (S. 72).

    In chronologischer Reihenfolge zeichnet Tomes anschaulich die wichtigsten biografischen Stationen der fünfzig ausgewählten Klaviervirtuosinnen nach, die trotz männlich dominierter Strukturen einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Klaviermusik leisteten: Sie komponierten und lehrten – wie etwa Hélène de Montgeroult, die eine herausragende Sammlung von Etüden hinterließ; sie gingen – wie die britische Pianistin Arabella Goddard (1836–1922) – auf Welttourneen; sie vergaben Auftragskompositionen – wie die polnische Cembalistin und Pianistin Wanda Landowska (1879–1959) an Manuel de Falla und Francis Poulenc; sie eroberten die öffentlichen Bühnen – wie etwa die aus Deutschland stammende Adele aus der Ohe (1861–1937), die in Anwesenheit Peter Tschaikowskis dessen überarbeitetes 1. Klavierkonzert in der New Yorker Carnegie Hall spielte; oder sie hatten so innovative Ideen wie etwa Amy Fay (1844–1928), die in den USA „Piano Conversations“ einführte und zur Pionierin des modernen Gesprächskonzerts wurde. „Viele Frauen in diesem Buch könnten auch Heldinnen eines Romans oder Theaterstücks sein“ (S. 50), merkt die Autorin an.

    Nicht zuletzt führten zahlreiche Klaviervirtuosinnen musikalische Salons, in denen sich führende Musiker und Künstler trafen. Besonders spektakulär waren die Konzerte, die Winnaretta Singer (1865–1943), äußerst wohlhabende Erbin der Nähmaschinen-Dynastie und exzellente Pianistin, in ihren Salons in Venedig und Paris veranstaltete. Ihr Pariser Salon, „ein riesiges Gesellschaftszimmer mit funkelnden Kronleuchtern und Spiegeln“ (S. 113), war mit zwei Flügeln ausgestattet, die um zwei weitere ergänzt werden konnten, wenn es die Werke verlangten. Dass der Dirigent Arturo Toscanini in Singers Palazzo in Venedig Spaghetti kochte und der Pianist Wladimir Horowitz mehrere Monate dort lebte, sind Anekdoten, die Bilder entstehen lassen und haften bleiben.

    Frauen am Klavier ist ein hochwertiges, ästhetisch sehr ansprechendes Buch. Es ist mit hervorragenden Drucken, Fotografien und Gemälden ungewöhnlich reich bebildert und bietet nicht nur anregenden, kurzweiligen Lesestoff, sondern auch ein Sehvergnügen.

    Friedegard Hürter
    Bonn, 18.06.2026

  • Eloain Lovis Hübner: Die Welt s̶t̶r̶u̶k̶t̶u̶r̶i̶e̶r̶e̶n̶ queeren [?] Über kompositorisches Denken in mehr-als-musikalischen Kontexten [Filip Bayer-Čech]

    Eloain Lovis Hübner: Die Welt strukturieren queeren [?] Über kompositorisches Denken in mehr-als-musikalischen Kontexten. / Structuring Queering [?] the World. – Berlin: Wolke, 2026. – 208 S. (Synkopen 1)
    ISBN 978-3-95593-901-4 : € 16,00 (Pb.) dt. u. engl.

    Mit dem vorliegenden Band eröffnet Eloain Lovis Hübner (*1993) die neue Synkopen-Reihe des Wolke-Verlags, die von Nicolas Donin, Steven Tagasuki und Magdalena Zorn herausgegeben wird. Diese editorische Setzung ist programmatisch insofern der Band als Ausgangspunkt einer Publikationspraxis fungiert, die sich dezidiert jenseits binärer Ordnungssysteme positioniert und mit erschwinglichen Büchern an eine breite Leser:innenschaft richtet. Dass bereits im Titel das ursprüngliche Verbum „strukturieren“ durch „queeren“ ersetzt wird, erhebt den Anspruch, etablierte Denkmuster nicht schlichtweg fortzuführen, sondern sie in ihrer normativen Setzung zu irritieren, wenngleich nicht definitiv, sondern als Potenzial.

    In der deutsch-englischen Paralleltext-Ausgabe entwirft Hübner eine Theorie kompositorischen Denkens, die sich ausdrücklich nicht auf musikimmanente Prozesse beschränkt. Kompositorisches Denken wird als „strukturierendes und formgebendes Denken“ (S. 156) gefasst, dessen Reichweite bewusst offengehalten wird. Es handelt sich um eine interdisziplinäre Praxis, die künstlerische, soziale und ontologische Perspektiven miteinander verschränkt. Der Essay ist in biografische Stationen und Ereignisse unterteilt, in denen Hübner seit deren Kindesalter auf persönliche Lernmomente, Konzerterfahrungen und Reiseberichte zurückgreift.

    Bereits im Vorwort wird eine Rekursivität betont: Kompositorisches Denken schöpft aus der Umwelt, ist mit ihr verwoben und wirkt auf sie zurück – als soziale Praxis. Entsprechend arbeitet Hübner dabei – in thematischer Hinsicht besonders passend – mit vielen Komposita: kompositorisches Denken in „mehr-als-musikalischen-Kontexten“, als Praxis des „In-der-Welt-Seins“ und des „Sich-in-der-Welt-Verortens“.

    Als wiederkehrendes Referenzobjekt dient die Notenschrift, deren Verständnis als „Tabula rasa“ Hübner zurecht kritisiert – sie würde bestimmte Parameter priorisieren. In Hübners Jugendalter entwickelt sich dieses Verständnis hin zur Notation als codifizierter Entsprechung, (S. 36) innerhalb derer kompositorische Praxis als Form des Selbstverstehens sowie der Selbstbehauptung und Abgrenzung verhandelt wird. Während des Studiums folgt jedoch die Ernüchterung, dass die Vertonung des Geschriebenen, „nicht die Erfahrungstiefe bot, die in ihm zu codifizieren versucht wurde.“ (S. 44). In der Umgebung eines durch Konservatismus durchzogenen Kompositionsstudiums, findet Hübner ein Effugium im Musiktheater, das mit seinen theatralen Möglichkeiten als Gegenpol zur als einengend empfundenen Notenschrift fungiert.

    Einen ersten markanten Wendepunkt bildet das Musiktheaterprojekt  The Navidson Records, in dem Hübner im Rahmen der Münchener Biennale selbst mitwirkte. Hier verdichten sich viele der zuvor angeführten Aspekte exemplarisch. Im Zentrum steht der Raum als fluider Protagonist, in dem Körper kontinuierlich neue Beziehungen zu sich selbst und zur Umgebung eingehen. Zum kompositorischen und improvisatorischen Material gelten „Klänge, Raumkonstellationen, Bewegungschoreographien, Gegenstände, Texte, Atmosphären, Körper, Video, Licht, Nebel, Begegnungen, wissenschaftliche und vieles mehr,“ (S. 60) deren Struktur- und Formbildung durch Entscheidungen menschlicher Akteur:innen bestimmt wird.

    Die bis dahin mitschwingenden Fragen, finden ihre Antworten in der zweiten Hälfte des Buches, den beiden Kapiteln des Zeitraumes von 2023 bis 2025, in ‚reingezoomter‘ und ‚rausgezoomter‘ Perspektive. Ausgehend von einer Bemerkung eines Kompositionsprofessors erkennt Hübner den Kontrapunkt als zentrales strukturierendes Prinzip deren kompositorischen Denkens, das im Essay an mehreren Stellen implizit als stark protestantisch geprägt durchscheint. Von diesem Moment an beginnt Hübner, den Kontrapunkt „subtil [zu] hacken“ (S. 104) beziehungsweise am Beispiel von The Navidson Records Unmengen von Sand in dessen Getriebe zu schütten.

    In diesem Zusammenhang werden weitere mehr-als-musikalische Praxen einbezogen, etwa die Probensituation als co-kreativer Aushandlungsprozess im Sinne einer ‚création collective.‘ Hübner verweist jedoch auch auf das „freundliche Potenzial der Partitur“ (S. 112) und plädiert, unter Rückgriff auf Hans Werner Henzes Verständnis einer Komponist:in als „uomo sociale,“ für eine „transdisziplinär informierte Kompositionspraxis,“ (S. 116) die implizit an den social turn anschließt. Daran anknüpfend wird kompositorisches Denken aufgegriffen und um theatrales Denken erweitert. Dieses Denken wird in eigener Praxis exzessiv auf Instrumente, Werkzeuge, Räume, Körper, Methoden, Geräte und Mittel angewandt. Besonders anschaulich wird dies an der Zweckentfremdung des Instruments am Beispiel der Geige: Hierbei beschreibt Hübner amüsant die Zweckentfremdung von der „auratisch aufgeladenen *Geige*“ hin zum „Holzkasten mit Stiel, vier Drähten und bestimmten akustischen Eigenschaften“ (S. 132). Diese „affirmative Distanzlosigkeit“ gegenüber dem Instrument wird sowohl klanglich als auch technisch als Form des „Queerings“ oder „Hackings“ verstanden – als radikale Umkehrung der Vorzeichen und Maßstäbe. Diese Position stärkt Hübner mit deren Positionierung innerhalb eines Kanons der Neuen Musik: „Komponieren heißt: ein Instrument bauen. (Lachenmann) klauen. (Kreidler) queeren. (Hübner)“ (S. 140)

    Theoretisch wird der Essay durch Zitate und Textfragmente von u. a. Sarah Ahmed, Şeyda Kurt, Hanns Eisler und J. Jack Halberstam passend angereichert. Auffällig ist, dass auch diese Referenzen die Wandelbarkeit von Hübners kompositorischem Denken widerspiegeln. Als Leser:innen erhalten wir so einen Einblick in einen mehrjährigen künstlerischen Prozess, dessen Vorläufigkeit dey explizit betont.

    Eloain Lovis Hübner zeigt in Die Welt strukturieren queeren [?] viele instruktive Aspekte auf, die weitere Fragen aufwerfen. Das Konzept deren kompositorischen Denkens wird mehrfach neu be- und umschrieben, was zum Ende hin in Wiederholung mündet. Hier stellt sich die Frage, ob die große terminologische Offenheit nicht auch eine gewisse Unschärfe produziert. Auch das, durch den wiederkehrenden Bezug auf (Johann Sebastian) Bach, so stark abfärbende kontrapunktische Denken hätte insbesondere in seiner Bedingtheit von Kompositorischem und Kontrapunktischem weiter ausgeführt werden dürfen.

    Eine große Stärke ist Hübners geglückte Gratwanderung zwischen Essay und Autobiografie. Trotz der Nähe zu biografischen Ereignissen, die bei einer künstlerischen Position unumgänglich ist, vermeidet dey konsequent in selbstreferienzelle Werkanalyse abzugleiten. Zudem ermutigt deren Offenheit gegenüber Momenten des Scheiterns, des Zweifels und eines Trotzgefühls, im Zuge dessen auch strukturelle Probleme wie Machtmissbrauch und Leistungsdruck im Kompositionsstudium sowie in der Musik- und Theaterbranche thematisiert werden. Gerade diese Transparenz verleiht dem Essay eine notwendige politische Dringlichkeit.

    Filip Bayer-Čech
    Berlin, 30. Mai 2026

  • Hokuspokus Hexenschuss. Festschrift Engelbert Humperdinck zum 170. Geburtstag [Andreas Vollberg]

    Hokuspokus Hexenschuss. Festschrift Engelbert Humperdinck zum 170. Geburtstag / Hrsg. von Philipp Haug und Christian Ubber. – Petersberg: Imhof, 2025. – 199 S.: zahlr. farb. Abb., Notenbsp. (Siegburger Humperdinck-Studien ; 3)
    ISBN 978-3-7319-1496-9 : € 24,95 (brosch.)

    Geburtsstädte bedeutender Komponisten avancieren nicht zwangsläufig auch zu Epizentren ihrer Erforschung und Nachlassarchivierung. Geschafft hat dies dagegen die rheinische, mit gut 43.000 Einwohnern mittelgroße Stadt Siegburg. Denn vor ihrem prominentesten Sohn Engelbert Humperdinck (1854–1921) verneigt sie sich mit gelungenen Ausstellungsaktivitäten und einem bemerkenswerten publizistischen Output, der den populären Märchenvertoner von Hänsel und Gretel in seiner wahren Vielfalt neu zu erfassen und zu bewerten sucht – kompositorisch, biographisch, soziopsychologisch, auch ideologiekritisch.

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  • Stefan Hentz: Miles Davis. Sound eines Lebens [Friedegard Hürter]

    Stefan Hentz: Miles Davis. Sound eines Lebens. – Ditzingen: Reclam, 2026. – 383 S.: 35 s/w. Abb.
    ISBN 978-3-15-011453-7: € 32,00 (geb; auch als eBook)

    So nachhaltig wie der Trompeter Miles Davis hat kaum ein anderer Musiker die Entwicklung des Jazz und den Klang des 20. Jahrhunderts geprägt. Sein Ton war unverwechselbar, schwerelos schlank und schnörkellos, seine Silhouette eine Ikone – eine Ausnahmeerscheinung, deren Wirkung bis heute nachhallt.

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  • Reinhard Strohm: Oper in Bewegung. Europäisches Musiktheater vom Barock zur Romantik [Bernhard Wallerius]

    Reinhard Strohm: Oper in Bewegung. Europäisches Musiktheater vom Barock zur Romantik. Neuausg. – Kassel u. Berlin: Bärenreiter u. J.B. Metzler, 2025. – 319 S.: s/w u.farb. Abb., Notenbsp.
    ISBN 978-3-7618-2676-8 (Bärenreiter) u. 978–3-662-71347-1 (Metzler): € 49,99 (geb.; auch als eBook)

    Wer hinter dem Titel eine Erörterung dessen wie sich Oper in der Gegenwart bewegt erwartet, wird beim Weiterlesen in das genaue Gegenteil hineingeführt. Strohms in Fachkreisen anerkannte Publikationen beschäftigen sich mit Musik für die Bühne vom Mittelalter bis zu Vivaldi und Händel, und so geht es auch in diesem Buch meist um die Anfänge der Gattung. Die 27 Stücke des Textes hängen nur lose zusammen, wenige nur sind für dieses Buch geschrieben, viele stammen aus verstreuten Publikationen, vor allem aus Programmheften für das Theater an der Wien. So ist das Buch nicht unbedingt zum durchgängigen Lesen bestimmt, es ist eher ein Lesebuch für Opernenthusiasten zum darin herumblättern. Man findet Werkeinführungen zu Opern von Monteverdi bis Donizetti (s.u. bei ‚Schlagworte‘). Dabei setzt er sich auch für den völlig vergessenen Peter von Winter ein, dessen zuletzt 1917 aufgeführte Oper ‚Das unterbrochene Opferfest‘ er ausgiebig bespricht.

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  • Andrea Elisabeth Pilz: Lehárs Spätwerke. Eine künstlerische Zusammenarbeit [Andreas Vollberg]

    Andrea Elisabeth Pilz: Lehárs Spätwerke. Eine künstlerische Zusammenarbeit (1928–1930). – Wien: Böhlau, 2026. – 351 S.
    ISBN 978-3-205-22316-0 : € 70,00 (geb.; auch als eBook)

    Nicht nur die nach Johann Strauss und Kollegen darbende Wiener Operette der sogenannten „goldenen“ Ära überführte Franz Lehár (1870–1948) mit dem Welterfolg der Lustigen Witwe 1905 spektakulär in ein „silbernes“ Zeitalter der internationalen Furore. Auch sich selbst erfand er künstlerisch und mit wachem Gespür für das Zerstreuungsbedürfnis eines bürgerlichen Massenpublikums immer wieder neu.

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  • Beate Sorg: Christoph Graupner. Biographie eines Hofkapellmeisters [Peter Sühring]

    Beate Sorg: Christoph Graupner. Biographie eines Hofkapellmeisters. – Baden-Baden: Georg Olms, 2025. – 265 S.: Abb. (Studien und Materialien zur Musikwissenschaft ; 137)
    ISBN 978-3-487-17157-9 : € 39,00 (Pb.; auch als eBook)

    Sehr ehrenwert ist es, dass Michael Maul ‑ seines Zeichens Intendant des Leipziger Bach-Festes, sowie institutionalisierter Bach-Forscher und Bach-Archivar ‑ anstatt sich nur im Glanz seines allseits anerkannten Heros der Musik zu sonnen, hier in einem schönen Geleitwort eine Lanze für Christoph Graupner bricht, der ‑ ganz im Schatten des meist auf seine späten Leipziger Jahre reduzierten Sebastian Bachs stehend – auch ein zwar anders geartetes, aber quantitativ und qualitativ nicht minder imposantes geistlich-weltliches, vokal- instrumentales Œuvre hinterlassen hat. Maul plädiert dafür, ohne Bach kleinreden zu wollen, mit dem Kleinreden Graupners aufzuhören. Für seine illustren und markigen Worte kann man sich nur bedanken, und sie geben eine wunderbare Eröffnungsfanfare ab für ein Buch, das diese zwar nicht nötig gehabt hätte, aber doch eine kräftige Einladung für manchen potentiellen Leser abgibt, der vielleicht zögern könnte, dieses Buch wirklich aufmerksam zu lesen. Das aber lohnt sich nun wirklich.

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  • Walter Pfann: Die Klaviersonaten Ludwig van Beethovens. Spiegel eines Lebens [Rüdiger Albrecht]

    Walter Pfann: Die Klaviersonaten Ludwig van Beethovens. Spiegel eines Lebens. – Mainz: Schott, 2025. – 146 S.: Farb-Abb. und Fotos.
    ISBN 978-3-7957-3415-2 : € 29,90 (geb.)

    Beethovens Zeitgenossen, zumindest die Hellhörigen unter ihnen, erahnten schon früh die beispiellose Singularität der 32 Klaviersonaten. Hans von Bülow, der sie ab 1887 zyklisch aufführte, erhob sie zum Neuen Testament der Klaviermusik. Bis heute entziehen sie sich weitgehend dem spontanen Zugriff und einem die letzten Geheimnisse offenbarenden Verstehen.

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  • Moritz Stetter: Die Knef. Graphic Novel [Friedegard Hürter]

    Moritz Stetter: Die Knef. Graphic Novel – Hamburg: Carlsen, 2025. – 208 S.: farb. Abb.
    ISBN 978-3-551-77038-7: € 26,00 (geb.)

    An Würdigungen für Hildegard Knef (1925–2002), die am 28. Dezember 2025 ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, mangelte es nicht. Über mehrere Jahrzehnte stand die selbstbewusste, emanzipierte Künstlerin immer wieder im Scheinwerferlicht und ließ die Öffentlichkeit an ihrem zerrissenen Leben zwischen Triumphen, Krisen und Abstürzen teilhaben. Die schillernde Persönlichkeit faszinierte auch den 1983 geborenen Hamburger Comickünstler Moritz Stetter. Die Knef nannte er seine mehr als 200 Seiten umfassende Graphic Novel, die ein facettenreiches, spannendes Porträt der unverwechselbaren Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin zeichnet.

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  • info-netz-musik zieht um

    info-netz-musik zieht um. Nach 15 Jahren müssen wir aus technischen Gründen auf eine andere Plattform ziehen. Die Umzugsarbeiten haben schon begonnen, aber rund 1.500 Rezensionen und Artikel brauchen ihre Zeit.

    In den nächsten Tagen melden wir uns mit der neuen Adresse zurück.
    Seien Sie gespannt oder „Stay tuned“!

    Ihr/Euer info-netz-musik-Team